Die genauere fachliche Betrachtung und Untersuchung, d.h. die Verknüpfung der ersten Beobachtungen mit der sektoralen Bestandsaufnahme und Analyse und den Daten und Informationen des Bayerischen Landesamtes für Statistik 2008 zu Markt Waidhaus zeigt, dass Waidhaus nicht etwa von einem kurzfristigen Trendbruch in seiner Entwicklungsgeschichte betroffen ist, sondern konfrontiert mit dem Beginn einer Strukturkrise. Die Auswirkungen der Strukturkrise auf die Themen Mobilität, Wirtschaft, Versorgung, Erholung und Wohnen in Waidhaus stellen sich als folgt dar:
Durch die Verlagerung der Mobilität, d.h. des Transitverkehrs aus dem Dorfkern und der B14 von Waidhaus auf die im Jahre 1997 erbaute Via Carolina, der Autobahn A6 zwischen Nürnberg und Prag, hat zu einer grundlegenden Veränderung des Verkehrsflusses geführt. Diese hat einerseits die individuelle motorisierte Erreichbarkeit über die Autobahn von Waidhaus beschleunigt und dass der meiste Transitverkehr nicht mehr auf der B14 durch Waidhaus fährt und damit die Verkehrsemissionen wie Lärm und CO2 erheblich vermindert, andererseits aber auch zum Rückgang der Einnahmen im Gastgewerbe und Einzelhandel von Waidhaus geführt. Durch die Alterung der Bevölkerung (Bayerische kommunale Statistik, 2008) besteht mittelfristig der Handlungsbedarf, neben dem motorisierten Individualverkehr andere Verkehrmodalitäten, wie beispielsweise den ÖPNV zu verbessern. Auch im Hinblick auf die eventuelle zukünftige touristische Determinierung von Waidhaus sind Alternativen zum motorisierten Individualverkehr auszuloten.
Die Wirtschaft in Waidhaus ist gegenwärtig geringfügig rückläufig. Der Großteil der Beschäftigten arbeitet im produzierenden Gewerbe und in öffentlichen Verwaltungen. Viele jüngere Beschäftigte, wie Auszubildende finden jedoch heute schon keine Lehrstellen und Ausbildungsbetriebe vorort. Vor dem Hintergrund des sukzessiven Abbaus der Bundesverwaltungen, wie der Polizei und dem Zoll und der allgemeine Trend der Verlagerung des prodizierenden Gewerbes in Länder mit geringeren Produktionskosten ist mittelfristig die Wirtschaftsstruktur von Waidhaus mit einem Einbruch konfrontiert. Gegenwärtig bildet sich die Strukturkrise zwar eher in sekundären Bereichen der Wirtschaftsstruktur von Waidhaus ab, wie beispielsweise dem Gastgewerbe und dem Einzelhandel. Hier stehen 9 Gewerbeobjekte leer und 7 befinden sich im bedenklichen Zustand (Quelle: Präsentation iSEK Markt Waidhaus - Geschichte, Gegenwart, Entwicklung - vom 15.05.2009). Das Wachstum von Branchen, d.h. ungenutzten Gewerbe- und Handelsflächen sind punktuell links und rechts der B14 vorzufinden. Diese Entwicklungen stehen im direkten Zusammenhang mit dem schrittweisen Verlust der Funktion und Bedeutung von Waidhaus als Grenzort und -übergang. Des weiteren sorgt der Wegzug von jungen Menschen aus Waidhaus dazu bei, dass die familäre Nachfolge von Betrieben nicht gesichert ist und Investitionen nicht getätigt werden.
Die Versorgung von Waidhaus, wie der Einzelhandel, Ärzte und Schulen stellt zwar eine Grundversorgung bereit, bieten aber darüber hinaus kein Angebot und Leistungen für die Bevölkerung. Es fehlt die kritische Masse. Bürger(innen) müssen für ihre Gesundheitsversorgung Städte in der Region aufsuchen. Die demographische Entwicklung in Waidhaus zeigt, dass zwar die Einwohnerzahl der Bevölkerung mit etwa 2400 stabil ist, aber die Bevölkerung altert (Bayerische kommunale Statistik, 2008). Dazu kommt der sukzessive Wegzug der jungen, mobilen und gebildeten Bevölkerung bedingt durch Mangel an weiterführenden Schulen, Ausbildungsstätten und somit beruflicher Perspektive in Waidhaus. Der Bedarf an einem seniorengerechten Sortiment im Einzelhandel als auch in den Gesundheitseinrichtungen wird zukünftig mehr und mehr relevant. Die Alterung der Bevölkerung einerseits als auch der Wegzug der jüngeren Bevölkerung andererseits sind eindeutige Folge einer Strukturkrise.
Die Erholung in Waidhaus, d.h. die Nachfrage im Gastgewerbe ist laut interner Statistik von Waidhaus relativ stabil, was jedoch weniger damit zu tun hat, dass es sich in Waidhaus um eine überregional bedeutende touristische Destination handelt, als vielmehr dass eine Reihe von Beschäftigten der Industrie in Waidhaus oder deutscher Unternehmer mit Beschäftigungsverhältnissen in Tschechien eine Reihe von Ferienwohnungen als temporäre Wohnungen mieten und nutzen. Das große Angebot im Gastgewerbe ist daher im Wesentlichen auf die ursprüngliche Funktion und Bedeutung von Waidhaus als Grenzort und -übergang zurückzuführen.
Das Wohnen in Waidhaus zeigt besonders direkt die räumlich-baulichen Auswirkungen der Strukturkrise. Der Umfang beziffert derzeit 11 Wohnungen oder Häuser die untervermietet sind und 18 sanierungsbedürftige Wohnobjekte (Quelle: Präsentation iSEK Markt Waidhaus - Geschichte, Gegenwart, Entwicklung - vom 15.05.2009). Diese räumlich-baulichen Folgen der Strukturkrise schlagen sich vor allem im Ortskern von Waidhaus in der Vohenstraußer Straße, Hauptstraße, Leonhard-Gollwitzer-Straße, Marktplatz, Marienstraße und Am Anger nieder. Des Weiteren hat sich die gesamte Siedlungs- und Verkehrsfläche von Waidhaus in dem vergangenen Jahrhundert mehr als verdoppelt. Dieser mit dem enormen Flächenwachstum öffentliche Infrastruktur ist bei gleich bleibender Bevölkerungszahl und Rückgang der Kaufkraft bedingt durch den demographischen Wandel langfristig nur schwer aus den öffentlichen Mitteln zu unterhalten. Das bauliche Kleid von Waidhaus wird mittelfristig zu groß. Des Weiteren stellt eine alternde Bevölkerung andere Anforderungen an Gebäude und Wohnungen.